Obertongesang

Obertongesang umfasst unterschiedliche Gesangstechniken bei denen die im Klangspektrum der Stimme enthaltenen Teiltöne (Obertöne) herausgefiltert und verstärkt werden. Dadurch sind sie als eigenständige (sehr hohe) Töne wahrnehmbar. Es entsteht der Höreindruck einer Mehrstimmigkeit.

Man spricht dann von Obertongesang, wenn den Obertönen eine eigenständige musikalische Funktion zukommt. Nicht zum Obertongesang zählen Gesangstechniken, bei denen die Klangfarbe der Stimme mit Obertönen angereichert wird.

 

Im Hörbeispiel ist es leicht verständlich

In diesem Video singe ich auf einem tiefen Grundton (weil ich eine eher tiefe Stimme habe) und die Obertöne dazu. Die klingen ähnlich wie eine hohe Flöte oder Gepfeife.

 

Als Begleitung spiele ich Shrutibox. Wunderbar fürs Wandern und Bergsteigen, weil klein, leicht und unkomplizert zu spielen. Manchmal verschwinden mein Grundton und der Klang der Shrutibox im Getöse des Windes. Die Obertöne sind immer gut zu hören!


In der Regel werden Obertöne aber nicht einzeln wahrgenommen. Aus ihnen setzt sich der Klang jedes Tones zusammen. In bestimmten Fällen (zB: Obertonsänger) oder unter besonderen Bedingungen können sie aber auch einzeln gehört oder hörbar gemacht werden. 

 

Ein einzelner Klang besteht aus einem Grundton (das ist die Tonhöhe die jedes Mensch ohne Training und Begabung hört) und Obertönen. Diese nennt man auch Teiltöne, Harmonische oder Partialtöne.

Unser Alltag bestimmt wie wir hören.

So ist es im Sinne einer guten Sprachverständlichkeit wichtig, auf das perfekte Hören des Grundtones spezialisiert zu sein. In der Modulation des Grundtones passiert unsere Sprache!

Beim Sprechen ändern wir intuitiv die Obertoncharakteristik des Grundtones bei jedem Laut. Es geht also um die Gestaltung der Vokale / Selbstlaute. Wenn man von i nach a wechselt, entsteht das Wort: "ja".

 

Eine klitzekleine Prise Physik 

Bei all diesen Klängen schwingen die Obertöne mit ganzzahligen Vielfachen des Grundtones. Das bedeutet sie haben die doppelte, dreifache, vierfache, fünffache usw. Frequenz des Grundtones. Diese ganzzahlige Reihe wird natürliche Obertonreihe genannt. Es ist eine natürliche Tonleiter die etwa vom Alphorn gespielt wird. In der Musik nennt man einen Teilton dieser Reihe "eine Harmonische" - das Wort Schwingung lässt man weg.

Vorsicht: Die erste Harmonische ist der Grundton, die zweite Harmonische ist der erste Oberton, die dritte Harmonische ist der zweite Oberton...

 

Klänge deren Obertongemisch nicht "ganzzahlig" ist, werden als Geräusch wahrgenommen. So werden auch Klänge wahrgenommen, die so kurz sind, dass unser Hirn die Tonhöhe nicht ermitteln kann. Dafür braucht das menschliche Gehirn rund eine Viertelsekunde.

Aufbau der Obertonreihe

Hier sieht man den Grundton und die ersten fünfzehn Teiltöne der natürlichen Obertonreihe in Notenschrift. Ganz links steht der Grundton. Nach rechts reihen sich von den tiefen zu den hohen Tönen Oberton an Oberton. Die Zahlen oben geben die "Harmonischen" an. Der Grundton wird als H1 bezeichnet (erste Harmonische). H2 ist also der 1.Oberton. Jajaja ich weiß, umständliche Benamsung. Die Zahlen unten geben die Abweichung des jeweiligen Teiltons von der „gleichschwebenden Stimmung“ in Cent an. 100 Cent entsprechen einem Halbton. Die rote Kurve verdeutlicht den logarithmischen Verlauf der Obertonreihe.

Hier einige Beispiele für Musikinstrumente mit charakteristischem Muster (aus dem Blickwinkel des Analysten betrachtet bzw. "aus seinem Ohrenwinkel gehört") der Obertöne:

  • Stimmgabel - fast ausschließlich der Grundton, nahe an der Sinuskurve
  • Streichinstrumente - reichhaltiges Obertonspektrum, fast alle Töne enthalten
  • Klarinette - vor allem ungerade Obertöne
  • Fagott - Grundton viel schwächer als die ersten Obertöne
  • Glocke - auch Töne die nicht zu der Obertonreihe gehören, Terzen betont
  • Trommel - Gemisch aus Tönen und Rauschsignalen, meist zu kurz um Tonhöre wahrnehmen zu können (s.o.)

Bei fast allen Musikinstrumenten kommen noch Rauschanteile hinzu wenn der Klang entsteht. Das Streichen des Bogens bei der Violine, Luftgeräusche beim Anblasen einer Klarintette etc... Lässt man diesen Einschwingvorgang weg (Rauslöschen aus einer Aufnahme) so lassen sich einige Instrumente nur mehr von Profis identifizieren.

 

 Der "akustische Fingerabdruck" eines Musikintruments wird durch die Obertöne (und auch jene, die nicht vorhanden sind) bestimmt.

 

Generell könnte man sagen: Erklingen mehr Obertöne, wird der Klang heller und brillanter. Erklingen weniger Obertöne, wird der Klang weicher und dumpfer.

 

Instrumente bei denen die Obertöne bewusst im Gesamtklang verwendet werden sind: Didgeridoo, Klangschalen, Fujara. Durch gezielte Spieltechnik können die einzelnen Obertöne virtous hervorgehoben werden.

 

Beim Didgeridoo werden die Obertone ganz ähnlich wie beim Obertonsingen zum Klingen gebracht:

  • Artikulationen  wie beim Sprechen (Verschlusslaute wie d, t, k, g und andere, Zungenroller wie r und vokalartige Töne wie a, e, i, o, u…)
  • Verengungen des Mundraumes (Zunge, Wangen, Unterkiefer), (lautmalerisch in etwa beschreibbar als „wok“ oder „wik“, und andere)
  • Veränderung des Anblasdruckes in Verbindung mit instrumenteneigenen Resonanzen: Erhöhung/Erniedrigung des Grundtones, überblasene Töne (auch Trompetentöne oder "Toot" genannt), resonierende Zungenschläge

Bei Saitenintrumenten kann man Töne der Obertonreihe durch Flageolett-Spielweise erzeugen. Dabei wird die gespielte Saite mit der Griffhand nur zart berührt, anstatt sie auf das Griffbrett zu drücken. So wir der Grundton gedämpft und (fast) nur ein Ton ist zu hören. So zu Spielen ist eine wunderbare Klangmeditation.

 

Auf dem Piano kann man ebenso mit etwas Experimentieren die Obertonreihe erforschen. Das geht auf folgende zwei Arten (es gibt noch mehr):

  • Dazu hält man die Tasten eines Akkords aus der Obertonreihe (siehe Bild ganz oben) so sanft nieder, dass die Hämmer die Saiten nicht anschlagen. Dann spielt man hart (aber herzlich) und kurz den Grundton. Die Obertöne des Grundtones regen nun die Saiten des sanft gehaltenen Obertonreihe zum Mitschwingen an.
  • Eine tiefe Saite sanft gedrückt halten und einen Ton der dazugehörenden Obertonreihe hart anschlagen. Die Basssaite schwingt nun vor allem auf der Frequenz des gespielten Obertones. Mit meheren gespielten Tönen lassen sich schöne Echolandschaften aufbauen.